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  • Parasomnia

    Rising Star

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About me

  • Die Nacht der Krähe - Funkenflug | Die Nacht der Krähe - Feuersturm


    Eine Templerexistenz in 3 Kapiteln
    oder
    Aufstieg und Fall einer Schildkröte

    Kapitel 1: Ein kurzes Leben
    Sommer 2009, ein verlassenes Kaff irgendwo in Deutschland. Die Sonne scheint gleißend. Schweißtreibende Temperaturen zwingen den durchschnittlichen aschfahlen Germanen dazu, sich in den kühlen Schutz des Schattens zurückzuziehen.
    Lichtscheu und von der Außenwelt verstoßen, hat sich ein kleiner, lieber Mensch vor seinen Computer gepflanzt, um Zeit und Pixelmonster totzuschlagen.
    Durch Zufall stößt er auf ein Spiel namens „LastChaos“, und in seiner schüchternen Jugend durch die leichtbekleideten Magierinnen gereizt, wagt er mit geröteten Wangen den Download.
    Nachdem ein halber Tag verstrichen ist (dem Dorfinternet sei Dank), zwingt ihn jenes Spiel plötzlich dazu, einen Charakter zu erstellen.
    Ein wenig geknickt betrachtet der kleine, liebe Mensch seine Oberarmmuskulatur und beschließt, dass er gerne durch einen starken, beeindruckenden Charakter verkörpert werden möchte. Seinem Geschlecht geschuldet, schließt er die weiblichen Figuren wie Magierin, Heilerin, Beschwörer und Schurkin generell aus und besinnt sich darauf, etwas wirklich Maskulines auszuwählen. Allzu mannigfaltig ist das Angebot leider nicht mehr. Der übergewichtige, zu 95% unbekleidete Tabledancer namens „Titan“ löst in ihm eher einen gewissen Würgereiz denn großer Begeisterungsstürme aus. Es muss also ein Ritter her.
    Die Namenswahl gestaltet sich schwieriger als gedacht. Selbst noch nicht im zeugungsfähigen Alter, kam der kleine Mensch bisher nicht in die Verlegenheit, einen Namen für etwas Lebendiges auswählen zu müssen.
    Anleihen an die eigene Namensgebung lassen schließlich „Pattycus“ entstehen, der sich wenig später in der dreckigen und rauen Flora und Fauna von Iris wiederfindet. Rasch verlässt er das beschauliche Randol, um erste Heldentaten zu begehen. Leider reißen sich die Heilerinnen nicht wie erwartet völlig begeistert ihre Röcke vom Leib, als er eigenhändig ein Reh erlegt.
    Und auch die darauf folgenden Füchse, Wölfe und Panther führen gewünschtes Resultat nicht herbei.
    Pattycus erkennt: Er muss seine (optisch bereits vorhandenen) Pixelmuskeln stählen, um das andere Geschlecht von den Plateauschuhen zu reißen.
    Es beginnt eine Odyssee, die tragischer nicht hätte verlaufen können …
    denn schon ein paar Wochen später, gerade hat er Level 24 erreicht, kommt die Mutti in das miefende Zimmer des mittlerweile völlig verwahrlosten, kleinen Menschen gestürmt und spricht ein Machtwort: „Junge, dat tut doch net Not! Lösch mal dieset Spiel von deine Flimmerkiste und sieh zu, dass du wat für die Schule tun tust.“
    Gesagt, getan.
    Pattycus tot, die Heilerinnen von Iris bleiben also vorerst Jungfrauen.

    Kapitel 2: Er chillt mit Schild
    Sommer 2011, ein verlassenes Kaff irgendwo in Deutschland. Vom Leben enttäuscht und von erneuten Hitzeangriffen gedemütigt, hat sich der kleine Mensch erneut vor seinen PC zurückgezogen. Der sechsstündige Download von „LastChaos“ läuft abermals.
    Ein neuer Ritter wird in die Irislande geworfen. Sein beeindruckender Name: LastChaot.
    In alter Routine, als habe es die vergangenen beiden Jahre nicht gegeben, metzelt er sich durch das Feld um die Berbank-Mühle herum und ist sich seines Vorhabens diesmal sehr gewiss: Er will high werden, und das definitiv nicht durch den Konsum der in Strayana wachsenden bunten Pilze.
    Und hier nimmt die Geschichte Fahrt auf. Zwar ist der kleine LastChaot nicht sonderlich intelligent und versäumt es daher, sich einen Lehrmeister zu suchen – in der Folge muss er auf die hübsch geplusste Lehrlingswaffe verzichten – ansonsten purzeln die Level jedoch beeindruckend schnell.
    Mit Level 30 verpulvert er seine mühsam erwirtschaftete allererste Milliarde Gold für ein Pofenion, das ihm daraufhin treu durch die Welt folgt. Und dieses Riesenhuhn bleibt nicht lange das einzige attraktive Chick an seiner Seite. Es kommt eine Heilerin herbei, die Erregung steht ihr regelrecht ins Gesicht geschrieben, und bittet LastChaot darum, ihrer Gilde beizutreten.
    LastChaot lehnt natürlich nicht ab. Und so ist er ratzfatz Member von „CrAzInEsS“.
    Alles ist voller heißer Magierinnen und Heilerinnen, also verdreifacht er seine Bemühungen noch (sprich: er nutzt seine erste Platin-Schwertlilie). Mit Level 31 wird er zum stolzen Schildträger. Dennoch gestaltet sich der Levelprozess sehr mühselig, da sein komplettes Equipment einen Plusswert von +4 nicht übersteigt. Monatelang prügelt er also auf Räuber in Merak und Goblins in Dratan ein, um schließlich völlig entkräftet Level 50 zu erreichen. Die Mitglieder seiner Gilde sieht er in der Zeit immer weniger – das Real Life verschlingt sie regelrecht.
    So bleibt LastChaot also allein zurück, immer noch ohne feste Partnerin, und quält sich auf Level 52. Dort erfährt er schließlich vom Gewölbe der Schmerzen.
    Da der Schmerz sowieso schlimmer nicht werden kann, sucht er dieses auf. Und ist überrascht, dass er plötzlich all seine arachnophoben Level-Freunde weit hinter sich lässt.
    Er findet eine neue Gilde, die ImpossibleGurken, und tritt diesem Haufen ausgewählter Psychopathen bei. Unter ihrer Fittiche erlegt er Arbus, den in Flammen stehenden Abteilungsleiter der GdS-GmbH. Außerdem liest er immer häufiger davon, dass die Putzfrauen in der Pyra ihrer Arbeit nicht nachgehen. Da sein Herz sowieso schon immer für Heilerinnen im heißen Putzfrauen-Outfit schlug, beschließt er, diese sagenumwobene Pyra aufzusuchen. Tatsächlich wird er dort Zeuge dieser Missstände. Der Boden voller Wollmäuse, die Bewohner der Pyra sind verkalkt und zu regelrechten Zombies mutiert. Einige haben sich offenbar mit Toilettenpapier eingewickelt und stapfen nun wie Mumien durch die schlecht beleuchteten Gänge. Wer da wohl die Stromrechnung nicht beglichen hat …?
    Lange Rede, kurzer Sinn. LastChaot feiert schließlich sein LevelUp auf die 100.
    Im Seelenturm verarbeitet er den übergroßen Regenwurm Scale zu einem Fischköder. Egehas oberster Drache Ancalagor streckt alsbald seine hässlichen Stummelbeinchen von sich. Und auch die tödliche Walkyre kriegt so derbe aufs Fressbrett, dass sie den Namen „LastChaot“ noch heute in ihren schlimmsten Albträumen schreit.
    Und LastChaot wütet und wütet und wütet.
    Die Heilerinnen liegen ihm zu Füßen, reinigen mit ihren Zungen seinen Schild und weiden sich an seinen beeindruckenden Oberarmen sowie an seinem nicht zu verachtenden Latissimus.
    Um Level 130 herum erobert er sogar Mooraska. Die Pofenions dort glotzen ein wenig blöd, als er auf seinem Reitpofenion vorbeiprescht.
    Doch die liebestollen Heilerinnen folgen ihm sogar bis dorthin.
    LastChaot kommt mit all dem Fame nicht mehr klar. Er fängt an, die Pflanzen in Mooraska zu rauchen und dröhnt sich unentwegt den Schädel zu. Eines Tages ist er auf einem solchen Trip, dass er sein komplettes Inventar an irgendwelche hübschen Heilerinnen verschenkt.
    Nackt, high und ohne Kohle verkommt er zur Witzfigur und niemand interessiert sich mehr für ihn.
    Ende im Gelände.

    Kapitel 3: Reinkarnation einer Legende
    Sommer 2015. LastChaot lässt seinen Namen im Personalausweis ändern und heißt fortan Parasomnia. Ein paar seiner alten Pilz-Kunden haben noch Schulden bei ihm, sodass er wieder ein bisschen Gold zusammenkratzen kann. Davon kauft er sich schäbigste Ausrüstung und versucht, noch einmal zu altem Ruhm aufzusteigen.
    Eine völlig heruntergewirtschaftete Heilerin lässt nach dem Date versehentlich ihre Korallen in seinem Schlafgemach liegen, sodass er diese teuer verticken kann. Plötzlich ist er reicher als jemals zuvor. In aller Seelenruhe prügelt Parasomnia weiter durch die Lande. Hier gönnt er sich mal nen Pilz und da ne Spritze Regenserum, aber seit seinem Entzug hat er sich ganz gut unter Kontrolle. Die Heilis fahren wie in den guten alten Zeiten total auf ihn ab.
    Aber er ist nicht mehr so blind wie früher.
    Er weiß: Es geht nicht nur um den schnellen Spaß.
    In Iris geht es um Freundschaft. Es geht um alte Kollegen und neue Begleiter.
    Die Heilerinnen für eine Nacht sollen sich mit den Jungspunden vergnügen.
    Parasomnia hat seine Lektion gelernt.
    Er schätzt diejenigen, die auch heute noch an seiner Seite sind.
    Er weiß, dass Ruhm und ne hohe Zahl am linken Bildschirmrand nicht alles im Leben sind.
    Er ist ein stiller Genießer geworden.
    Ein Spießer.
    Manchmal hängt er noch mit den Leuten von damals am Lagerfeuer rum und quatscht mit ihnen über die vergangenen Heldentaten.
    Aber er weiß auch:
    Eigentlich ist er schon viel zu alt für den Sch**ß.
    Was bleibt, sind Erinnerungen.
Parasomnia

Templer | 190 | Valtopia

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